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Rezept – Finnische Weihnachtstörtchen (Joulutorttu)

Die finnischen Weihnachtstörtchen, also Joulutortut, sind im Winter und vor allem in der Vorweihnachtszeit einfach ein Muss. Üblich ist es, fertigen Blätterteig zu nehmen, aber der begabte Bäcker darf den Blätterteig natürlich auch selbst machen. Mit unserem Rezept geht es aber deutlich schneller und stressfreier, was in der (Vor-)Weihnachtszeit oft von Vorteil ist.

Zutaten:

1-2 Packungen frischen oder tiefgefrorenen Blätterteig (ca. 550g)
1 Dose Pflaumenmus (ca. 450g)
1 Ei

(Puderzucker zum Dekorieren)

Backzeit:

Ca. 15-20 min bei 220°C (200°C Umluft) bzw. je nach Anleitung auf der Teigverpackung

Zubereitung:

Den Blätterteig auf ein mit Backpapier versehenes Ofenblech ausrollen und in quadratische Stückchen schneiden (ca. 8x8cm). Der Teig sollte ca. 3-6mm dick sein.

Für die Weihnachtssternchen jede Ecke des Teigvierecks richtung Mitte ca. 5cm lang einschneiden. 1-2 üppige Teelöffel Pflaumenmus in die Mitte platzieren und jede zweite Ecke mit dem Ende des Löffelgriffs vorsichtig in der Mitte festdrücken. Wer möchte, kann für besseren Halt die ausgewählten Ecken mit ein wenig gequirltem Ei bestreichen, bevor sie festgedrückt werden.

Die Joulutortut lassen sich in verschiedene schöne Formen zuschneiden.

Für die Weihnachtsblumen parallel zu jeder Ecke des Teigquadrats, ca. 1cm vom Rand entfernt, die Ecke auf jeder Seite mit einem ca. 3-4 cm langen Schnitt einschneiden (s. Bild oben). Die Lücke zwischen den eingeschnittenen Ecken sollte möglichst klein sein (0,5-1cm). In die Mitte jeweils großzügig Pflaumenmus platzieren. Dann die äußeren Ecken (ggf. mit ein wenig Ei bestrichen) in die Mitte jedes Gebäckstücks falten und vorsichtig, aber fest mit dem Löffelende eindrücken.

Das Ei in einer Tasse mit einer Gabel verquirlen und die Teigflächen mit dem Ei bestreichen. Dies sorgt für eine glänzende, goldbraune Farbe. Die Joulutortut mit Hilfe der Zubereitungsanweisung des Teigherstellers backen. Für unsere, etwas dünneren finnischen Weihnachtstörtchen reichten ca. 15-16min bei 220°C (200°C Umluft) aus, bis sie goldbraun waren. Die untere Seite der Törtchen sollte auch leicht bräunlich werden.

Die leckeren finnischen Weihnachtstörtchen sind knusprig und saftig zugleich!

Die fertigen Weihnachtstörtchen auf einen Teiller/in einen Korb legen und abkühlen lassen. Jetzt ist das Pflaumenmus noch sehr sehr heiß! Wer möchte, kann danach auf die abgekühlten Törtchen Puderzucker streuen. Das Gebäck schmeckt auch in den Folgetagen noch lecker und lässt sich einfrieren.

Hervorragend zu jeder Tageszeit, oft und in großen Mengen!

Hyvää ruokahalua!

Pflaumenmus ist süß, aber weihnachtlich würzig.
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Rezept – Finnischer Marmorkuchen (Tiikerikakku)

Tiikerikakku Rezept einfach

Ein saftiger und heller Sandkuchen mit dunklen Streifen. Der deutsche Name des Sandkuchens wurde vom Muster des Marmorsteins abgeleitet, der finnische Name – Tiikerikakku, also Tigerkuchen – wiederum von den Streifen der Raubkatze. Auch bezüglich der Zutatenliste gibt es kleine Unterschiede zwischen den Ländern. Welcher Sandkuchen besser schmeckt, ist Geschmackssache. Hier die finnische Version vom Kuchen. Am besten schmeckt sie ofenfrisch mit Erdbeeren und Vanilleeis.

Zutaten:

275g Butter
270g Zucker
4 Eier
300g Weizenmehl
2 TL Backpulver
1 TL Vanillezucker
100ml Sahne

2-3 EL ungesüßtes Kakaopulver

Backzeit:

Ca. 45 min bei 180°C (160°C Umluft)

Marmorkuchen mit Früchten Rezept
Die hohle Mitte des Kuchens ist perfekt für allerlei Dekorationszwecke!

Zubereitung:

Die Gugelhupfform mit Butter (und Weizenmehl) fetten. Zimmerwarme Butter und Zucker schäumig schlagen und die Eier einzeln dazugeben. Die trockenen Zutaten (abgesehen vom Kakaopulver) vermischen. Abwechselnd mit der Sahne in die Mischung geben.

Ein Drittel vom Teig abtrennen und mit dem ungesüßten Kakaopulver mischen (für die Tigerstreifen).

Die Hälfte des hellen Teiges in die gefettete Kuchenform füllen, die dunkle Teigmischung darübergeben und schließlich den Rest der hellen Teigportion als oberste Schicht einfüllen.

Bester Marmorkuchen Rezept
Der finnische Marmorkuchen ist besonders saftig!

In regelmäßigen kleineren Abständen zwei Gabeln in den Teig tauchen, bis sich die Zacken der Gabeln ganz unten Treffen (also quasi in einer V-Form einstechen) und dann mit zusammengehaltenen Zacken nach oben ziehen, damit sich schöne Tigerstreifen bilden. Dann die Teigoberfläche glätten.

Bei 180°C (160°C Umluft) ca. 45-50 min backen. Gegebenenfalls mit einem Zahnstocher prüfen, ob der Sandkuchen fertig ist. Danach ein paar Minuten in der Form ruhen lassen, auf ein Gitter oder einen Teller stürzen und auskühlen lassen. Mit Kaffee genießen!

Hyvää ruokahalua!

Finnischer Tigerkuchen Rezept
Der Marmorkuchen ist nicht so trocken wie ein herkömmlicher Sandkuchen. Am besten schmeckt er dennoch frisch!

Saftiger Sandkuchen ist nicht trocken

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Der finnische Tonttu – Heinzelmännchen und Wichtel, Teil 1

In Finnland haben Heinzelmännchen und Wichtel, also Tontut, schon eine sehr lange Geschichte. Früher waren sie ein Teil des Alltags und sie galten als Hüter des Hauses. Aus diesem Grund ähnelt auch das Wort Tonttu dem Wort Tontti sehr, was auf finnisch Grundstück bedeutet.

Es heißt, dass die finnischen Heinzelmännchen kleine Männer und Frauen mit grauer Kleidung und roter Mütze waren. Man hat sie sehr selten zu sehen bekommen, da sie in der Nacht arbeiteten. Es war aber ein großes Glück, einen Tonttu im Haushalt zu haben. Hatte ein Tonttu sich in einem Haus niedergelassen, war es seine Aufgabe, sich um den Haushalt zu kümmern und dazu beizutragen, ein Haus zu einem Zuhause zu machen; zu einem Platz für die Menschen (und Hauswichtel), an dem sie sich wohlfühlen und eigene Geschichten und Bräuche entwickeln konnten. So wussten die Menschen zum Beispiel, dass der Tonttu sich um die wichtigen Sachen kümmerte, wenn sie ihr Haus mal verlassen mussten.

Kleine Wichtel passen auf die verschiedenen Häuser auf. Jeder hat seine eigene Aufgabe.

Der Tonttu hat dem Haus gedient, war aber kein Diener. Wurde das Heinzelmännchen beleidigt oder fühlte es sich nicht wertgeschätzt, ist es gegangen und hat aus Rache oft manches zerstört. Darum war es auch wichtig, dem Tonttu immer am selben Ort gutes Essen bereitzustellen und die Restwärme in der Sauna stand dem Tonttu zu. Kindern wurde erzählt, dass sie nicht allzu laut sein durften, denn der Lärm verärgere den Hauswichtel.

Für die Heinzelmännchen im Haus war es wichtig, ein Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur aufrechtzuerhalten, in dem Umwelt, Tiere, Menschen und natürlich auch magische Wesen mit Respekt und Würde behandelt wurden. Wer diese Werte nicht beachtete, hatte mit Pech zu rechnen, denn dann war das Heinzelmännchen unglücklich.

Ein herbstlicher Anblick in Finnland.

Um einen Tonttu anzulocken, musste ein sehr besonderes Ritual durchgeführt werden. Wer eines der fleißigen Heinzelmännchen in seinem Haus haben wollte, musste sich in der Osternacht ein Kumt einer Stute um den eigenen Hals legen und neun Mal um die Kirche gehen. Wenn der Tonttu dann zu dem Menschen kam, musste man seinen Wunsch äußern z.B. nach Reichtum oder guter Ernte. Diesen Wunsch hat der Tonttu dann erfüllt.

Es gibt auch eine Redewendung auf Finnisch: „Tonttu sillä on, Tonttu kantaa“, was sinngemäß so viel heißt wie „Wer Wohlstand hat, hat einen Tonttu im Haus“, weil der finnische Tonttu Reichtum ins Haus brachte.

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Quellen:

Eero Ojanen, Sirkku Linnea, Suomalaiset Taruolennot, Minerva

Kristfrid Ganander, Mythologia Fennica, Recallmed

Uno Harva, Suomalainen muinaisusko, SKS

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Rezept – Der finnische Pilzsalat (Sienisalaatti)

Rezept Pilzsalat Finnland

In Finnland werden im Herbst viele Beeren und Pilze selbst gesammelt und anschließend konserviert. Wilde Pilze werden oft zerkleinert und eingesalzen. Bei Bedarf kann man dann – oft im tiefsten Winter – aus den Salzpilzen einfach und schnell einen leckeren Pilzsalat (sienisalaatti) herstellen. Wenn keine eingesalzenen Pilze vorhanden sind, können auch frische Wildpilze oder auch frische Champignons verwendet werden.

Zutaten:

1/2 l eingesalzene Pilze (oder ungesalzene Wildpilze oder eine Packung Champignons)
100g Schmand
250g Sahne
Zwiebel
Schwarzer Pfeffer
1-2 TL Zitronensaft

(bei ungesalzenen Pilzen 1 TL Salz)

Pilze sammeln in Finnland

Zubereitung:

Pilze – egal welcher Art – in kleine Würfeln schneiden. Wenn eingesalzene Pilze verwendet werden, diese im Wasser tränken, bis sie die gewünschte Salzigkeit aufweisen und dann gut abtrocknen. Werden stattdessen Champignons verwendet, diese ein paar Minuten lang kochen und schließlich gründlich abtrocknen. Danach die Sahne schaumig schlagen und die Zwiebel in kleine Würfel schneiden. Alle Zutaten mischen und abschmecken. Es ist nicht jedermanns Sache, Zitronensaft in den Salat zu mischen. Am besten vor dem Saft den Salat abschmecken und dann bei Bedarf den Saft dazugeben. Wenn keine Salzpilze verwendet wurden, kommt noch ca. 1 TL Salz in den nordischen Salat hinzu.

Pilze selbst pflücken und zubereiten

Der finnische Pilzsalat aus eingesalzenen Pilzen ist traditionell sehr salzig, weshalb man die konservierten Pilze auch z.B. mit frischen Champignons ergänzen kann. Als Dekoration auf dem Salat passen zerkleinerter Schnittlauch und rote Zwiebelringe. Der finnische Pilzsalat kann als Beilage zum Graved Lachs und Salzkartoffeln oder auf einer Scheibe Roggenbrot genossen werden.

Hyvää ruokahalua!

Pilze cremig Rezept
Im Herbst ist der Sienisalaatti ein Muss in Finnland!
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Rezept – Finnische Brownies (Mokkapalat)

Kaffee Kuchen aus den Norden

Die Mokkapalat könnte man als finnische Brownies bezeichnen, obwohl sie ganz anders schmecken als das amerikanische Schokogebäck. Für Mokkapalat gibt es unzählige Rezepte und ganz sicher kennt jeder Finne sie aus seiner Kindheit. Unsere Version von dem Traditionsgebäck ist luftig locker, was gut zum Kaffeegeschmack des cremigen Toppings passt.

Teig:

300g zimmerwarme Butter
350g Zucker
4 Eier
250ml Milch
390g Weizenmehl
4 TL Backpulver
1 Päckchen Vanillezucker
4 EL ungezuckertes Kakaopulver

Topping:

400g Puderzucker
100ml starker Kaffee
100g geschmolzene Butter
2 EL ungezuckertes Kakaopulver
1 TL Vanillezucker

Bunte Streusel

Backzeit:

20min bei 200°C (180°C Umluft)

Zubereitung:

Leckere finnische Rezepte DessertsDen Zucker und die zimmerwarme Butter schaumig schlagen. Die Eier einzeln dazugeben und das Ganze weiter schaumig schlagen. Die Milch hinzufügen. Dann die trockenen Zutaten miteinander vermischen und gut rührend unter die schaumige Masse heben. Am Ende sollte ein glatter, bräunlicher Teig entstanden sein. Den Teig gleichmäßig auf einem Backblech (am besten mit hohem Rand) verteilen.

Die Mokkapalat für 20 min bei 200°C (180°C Umluft) backen. Ob das Gebäck fertig ist, kann man mit einem Zahnstocher prüfen. Danach die Brownies abkühlen lassen.

Für das Topping die flüssige und abgekühlte Butter mit dem abgekühlten Kaffee/Espresso mischen. Es ist ganz wichtig, dass Kaffee und Butter nicht zu warm sind, damit das Topping nicht zu flüssig wird. Dann das Kakaopulver und den Vanillezucker dazugeben. Schließlich den Puderzucker mit Hilfe eines Siebes untermischen und das Topping glatt rühren.

Kalevala Spirit Finnland

Das Schokotopping gleichmäßig auf dem abgekühlten Kuchen verteilen und mit Streusel verzieren solange es noch flüssig ist. Am besten schmecken die Mokkapalat zu einem Cappuccino.

Hyvää ruokahalua!

Kalevala Spirit Blog
Kaffee und Mokkapalat gehören zusammen wie Schlagsahne und Erdbeeren! Die schöne Mumintasse gibt‘s bei uns im Onlineshop!

Finnland Leckereien und Rezepte

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Neue Einblicke in die finnische Mythologie – Teil 3

Finnland Natur See

Im dritten Teil der Serie steigen wir in die heidnischen Gebräuche der Finnen ein, die den Alltag stark beeinflussten.

Die Feenwelt (Henkimaailma)

Vor Jahrhunderten glaubten die Menschen, dass parallel zu unserer Welt eine Feenwelt existierte. Diese war wie ein Spiegelbild unserer Welt. Es hieß, der Boden dieser Welt sei unsere Erdoberfläche, nur stehe man dort (von uns aus betrachtet) mit dem Kopf nach unten.

Die Decke des Waldes (Metsänpeitto)

Nach dem damaligen Volksglauben war es möglich in die Feenwelt zu gelangen. Wer die richtigen Tricks allerdings nicht kannte, blieb dort für immer verschollen. Umso problematischer war es, wenn wichtige Nutztiere, wie Kühe in der Natur verschwanden, denn es war ja möglich, dass sie in die gespiegelte Feenwelt unter unseren Füßen gelangt waren, also unter die Decke des Waldes. In diesem Fall reichte es nicht, nach den Kühen zu rufen – in der anderen Welt konnten sie es ja nicht hören – sondern gefunden werden musste eine Eröffnung in die Feenwelt. Ausreichend war zum Beispiel ein hohler Baumstamm oder ein Erdloch, der mit dem Boden und so mit der Feenwelt verbunden war. Durch diesen Baumstamm rief man nach dem Tier und mit etwas Glück folgte es den Rufen und fand seinen Weg wieder zurück nach Hause.

Finnischer Blog Kalevala Spirit
Kühe auf dem Weg nach Hause.

Verirrte Personen

Weil die Feenwelt unsere Welt spiegelte, war es nur sinnvoll, dass auch die Kleidung dort verkehrt herum getragen werden musste. Wer sich im Wald verlaufen hatte und die eigentlich vertraute Gegend nicht mehr erkannte, war wömöglich in die umgekehrte Welt der Feen und Elfen gelangt. Um wieder den richtigen Pfad in die Menschenwelt zu finden, mussten die Socken oder Schuhe an den Füßen getauscht oder die Jacke falsch herum getragen werden. Auch die Sucher mussten sich entsprechend anziehen, denn sonst war ihnen der Blick in die Parallelwelt verwehrt. Es hieß sogar, dass die Sucher – sollten sie ihre Kleidung nicht verkehrt herum anziehen – die gesuchte Person nur als einen Stein oder Baum würden wahrnehmen können.

Reflexionen im Wasser

Wer schon einmal einen Sonnenuntergang an einem windstillen Abend am See genossen hat, konnte auf dem Wasser sicher die Reflexionen unserer Welt – das Ufer, die Bäume und Tiere – in goldener Farbe sehen. Mit etwas Phantasie schaut es fast so aus, als sei unter der Wasseroberfläche eine andere Welt. Früher glaubte man, dass in diesem magischen Moment, an bestimmten Seen, die Grenze zwischen den zwei Welten verwischte und man direkt in die Feenwelt schauen konnte, bis die goldenen Sonnenstrahlen hinter dem Horizont verschwanden.

Kalevala Spirit Volklore Blog
Glatt wie ein Spiegel muss die Seeoberfläche sein, damit man in die mysteriöse Welt schauen kann.

Erst in den 50er/60er Jahren verschwand der weitverbreitete und ernsthafte Volksglaube an das Metsänpeitto. Hierfür waren vermutlich die gesellschaftliche Modernisierung und die schnelle flächenmäßige Eingrenzung der Wälder wegen Bauarbeiten ursächlich. Jahrhunderte lang galten Wälder als Tapios Reich, doch schließlich war auch der Wald nicht mehr die Grenze der Zivilisation.

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Quellen:

Uno Harva, Suomalaisten muinaisusko, SKS

Marko Leppänen, Metsänpeitossa – siis missä?, Esoteerinen maantiede ja periferiaterapia

Tomi Letonsaari, Metsänhaltijat Itäsuomalaisessa kansanuskossa. Pro gradu -tutkielma

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Der finnische Sisu

Nordische Kultur Kalevala Spirit

Für die Finnen ist Sisu eine sehr typische und wichtige Eigenschaft. Das Wort ist eigentlich unübersetzbar, aber es kann mit Ausdauer, innerer Kraft und Kampfgeist beschrieben werden.

Sisu ist fast wie ein Gefühl, das die Finnen dazu bringt nicht aufgeben zu wollen, einfach die Zähne zusammenzubeißen und sich auch durch schwere Situationen zu kämpfen. Man könnte es auch als innere Motivation bezeichnen, die den Finnen das Gefühl geben kann, alles überstehen zu können, was das Leben an Hindernissen bereithält.

Nordische Natur und Seelandschaft, Sunset

Der finnische Schriftsteller Sakari Pälsi hat in seinem Buch „Eräelämän perinteitä“ geschrieben:

In einer kniffligen Situation bedeutet Sisu: Es scheint unmöglich, aber wir sollten es trotzdem versuchen. Versucht man es, dann kann man gewinnen (freie Übersetzung).

Diese Eigenschaft hat z.B. den finnischen Soldaten die Kraft gegeben, Finnland im Winterkrieg (1939-1940) gegen die Rote Armee der Sowjetunion zu verteidigen. Die Finnen hatten hierfür eigentlich zu wenig Gewehre oder Munition und viele mussten sogar in ihrer eigenen Kleidung in den Krieg ziehen.

Kalevala Spirit Nordische Kultur

Trotzdem haben die Finnen für ihr Land und die Demokratie so stark gekämpft, dass die Rote Armee in erhebliche Schwierigkeiten geriet und unvorhersehbare Verluste erlitt. Dies ist ein gutes Beispiel für die Kraft, die Sisu den Menschen verleihen kann.

Für die Finnen hat Sisu eine sehr starke und wichtige Bedeutung: Er ist ein Teil der finnischen Identität und prägt Willenskraft und Durchhaltevermögen der Menschen von klein auf.

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Quellen: http://www.hi3.fi/8-suomi-toisessa-maailmansodassa-talvisota/suomi-menettaa-karjalan/

Sakari Pälsi: Eräelämän perinteitä

 

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Rezept – Pfannkuchen mit Joghurt

Pfannenkuchen Pfankuchen Rezept

Diese finnischen Pfannkuchen, also “letut” oder „ohukaiset“, sind knusprig aber luftig. Im klassischen Rezept kommt in den Teig kein Joghurt, wodurch die Pfannkuchen etwas wie die echten American Pancakes werden!

Zutaten:

2 Eier
0,5l Milch
300g Griechischer Joghurt
300g Weizenmehl
1 TL Backpulver
0,5 TL Backnatron
0,5 TL Salz
2 EL Rapsöl
(1 EL Zucker)

Butterschmalz zum Braten

Zubereitung:

Eier und Milch mixen. Die trockenen Zutaten mischen und unter die Eimischung zu einem Teig rühren. Der Esslöffel Zucker ist nicht notwendig, wenn man die Pfannkuchen zum Beispiel mit Konfitüren oder gezuckerter Schlagsahne isst.

Crepe Pfannkuchen Rezept
Auf die Pfannkuchen bilden sich kleine Bläschen.

Die Bratpfanne auf mittlerer Stufe erhitzen und einen Teelöffel Butterschmalz hineingeben. Mit einer Schöpfkelle Pfannkuchenteig in die Pfanne gießen und solange braten bis sich kleine Löcher auf der Oberseite bilden. Wenden und nach 1-2 Minuten mit einem Pfannenwender herausnehmen. Die Pfannkuchen bleiben unter einem großen Topfdeckel länger warm.

Hervorragend schmecken sie beispielsweise mit Konfitüre, Ahornsirup, frischen Beeren oder Früchten und Schlagsahne.

Hyvää ruokahalua!

Schlagsahne Rezept Jogurt Crepe
Die Finnen essen die Pfannkuchen gerne mit Schlagsahne! Aber die Pfannkuchen kann man auch mit salzigen Toppings genießen.
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Neue Einblicke in die finnische Mythologie – Teil 2

Kalevala Mythologie Finnland

In einem zweiten Teil stellen wir drei weitere finnische Mythologiewesen vor, die vielleicht nicht so bekannt sind wie die Helden des finnischen Nationalepos, Kalevala.

Sinipiiat

Ob die Windgeister Sinipiiat, also die blauen Mägde der Wälder, tatsächlich auch blau sind, weiß man nicht. Es gibt viele Beschreibungen für die verspielten Mythologiewesen. Manche sagen, sie schauen aus wie wunderschöne junge Frauen, anstelle eines normalen Rückens haben sie jedoch nur eine Aussparung. Auf jeden Fall sind sie schnell und verspielt. Da sie aber im Reich von Tapio, dem Waldkönig, leben, gehört zu ihren Aufgaben die Pflege von allen Tieren und Lebewesen im Wald.

Kalevala Finnland
Die finnische Mythologie kennt viele Wesen und Naturgötter.

Näkki

Näkki ist ein cleveres Monster, das in den stillen Gewässern Finnlands wohnt und ahnungslose Schwimmer in die Tiefen der Seen zieht. Er kann seine Gestalt jedem Opfer anpassen. Manchmal ist er ein großer schwarzer Hund oder ein anderes Tier, dem Kinder hinterherlaufen und dann wiederum eine wunderschöne nackte Frau mit langen schwarzen Haaren, der Männer hinterher schwimmen. Also Vorsicht ist geboten, wenn man in Finnland in den Seen schwimmen möchte…

See in Finnland

Pakkanen

Der Sohn des Sturmes Puhuri, ist in der finnischen Mythologie der Frost, Pakkanen. Die Finnen glauben daran, dass man der furchtbaren Kälte des Pakkanen mit ein paar Zauberworten standhalten kann, obwohl der moderne Finne lieber zu einer warmen Winterjacke greift. Pakkanen und seine Frau Hyytö können zusammen ganze Flüsse einfrieren lassen. Aber jeder Finne weiß, je kälter und länger der Winter, desto schöner wird die Natur mit Schnee und Eis geschmückt.

Schnee Frost Natur Kalevala Spirit
Im Winter wird es in Finnland so kalt, dass der Boden richtig einfriert.

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Quellen:
Haltijoiden mailla, maahisten majoissa, Elina Ranta/Maija Ranta;
Mythologia Fennica, Kristfrid Ganander.

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Neue Einblicke in die finnische Mythologie – Teil 1

Finnische Mythologie Kalevala Spirit

Wer ein wenig die finnische Kultur mag, kennt natürlich auch Kalevala, unseren Nationalepos: Wie der große Schmied Ilmarinen das goldene Wunder Sampo schmiedete und der mächtige Held Väinämöinen es von der furchteinflößenden Hexe im Norden – Pohjolan Akka – stahl. Aber die wenigsten kennen die anderen finnischen Mythologiewesen – wie unsere Wald-, Wiesen und Luftwesen. Hier ein erster Einblick:

Der Bär

Otso, Mesikämmen, Kontio, Mythologie Finnland
Der Kalevala Spirit Bär

Einer der wichtigsten Charaktere in der finnischen Kultur war und ist noch immer der Bär, also Karhu. Die Finnen glauben, dass der Naturgott der Wälder, Tapio, sich gelegentlich in der Form eines Bären durch sein Reich bewegte. Es gibt unendlich viele Kosenamen für den König der Wälder. Otso, Kontio, Mötti, Ryökämöinen sind einige – heute lustig klingende – Beispiele, die sich nicht übersetzen lassen. Der Bär ist wie ein Bruder für die Finnen, aber er war auch lange ein wichtiges Wildtier. Sogar so wichtig, dass man nach der Bärenjagd eine große Feier (Karhunpeijaiset) veranstaltete, mit viel Musik, Tanzen und natürlich leckerem Essen.

Finnland Tiere Bären

Die Riesen, also „Jätit“

Söhne des Kalewa nannte man sie und sie gelten als die ältesten Bewohner des Nordens. Früher nannte man Finnland und Schweden daher auch „Jotanhem“, also das Land der Riesen. Kalewa hatte 12 Söhne, die unglaublich groß und stark waren. Einer der Söhne konnte ganz allein riesige Schlösser bauen. Ihre Töchter wuchsen ebenso stark und männlich auf, wie ihre Väter und bauten sogar ganze Berge! Eines der 12 Söhne war Hiisi, der auch als das böseste Wesen der Welt galt.

Väinämöinen Held
Bild: Tiinu Halonen

Hiisi

Auf einem feurigen Ross ritt der Riese durch sein dunkles Reich und versklavte unzählige Menschen. Wenn man im Wald in das Reich des Hiisi eintritt, soll man seine furchtbare Bösheit bis in die Seele spüren und sich komplett verloren fühlen. Er und sein Volk können die Form einer Schlange einnehmen und unsichtbar auf die Menschen lauern. So mag Hiisi böse sein, jedoch passt er auf sein eigenes Volk und die Tiere in seinem Reich bestens auf. Er hat eine ebenso furchtbare Frau (Hiijen emäntä), eine Katze (Kipinätär), einen Hund (Hiiden rakki) und sogar einen Elch (Hiiden hirvi). Lange wurde er als Gott von den heidnischen Finnen verehrt.

Natur Fotografie
Die Grenze zum Reich des Hiisi.

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Quellen:
Haltijoiden mailla, maahisten majoissa, Elina Ranta/Maija Ranta;
Mythologia Fennica, Kristfrid Ganander;
Karhun kannoilla, Juha Pentikäinen