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Die blaue Stunde in Finnland (sininen hetki)

Den ganzen Tag hatte die Sonne von einem wolkenlosen Himmel auf uns herabgeschaut und unsere Wangen gekitzelt während die schneebedeckte, weiße Welt im Licht glitzerte.

In der Nacht hatte es geschneit und unsere Skier glitten leicht durch den frischen Puderschnee. Zum Aufwärmen gab es köstliche Pulla und heißen Kaffee aus der Thermoskanne.

Es sind zwei paar Skier nebeneinander im Schnee zu sehen. Die Marken sind unter einer Schneeschicht bedeckt.

Doch auch dieser perfekte Wintertag muss irgendwann enden und wir fühlen uns nach der sportlichen Anstrengung müde, aber sehr zufrieden. Langsam sinkt die Sonne am Horizont. Der zuvor tiefblaue Himmel färbt sich orange, dann rosa und schließlich rot, als die Sonne hinter dem Waldrand untergeht. Eine dicke Schneeschicht bedeckt die Bäume des Winterwaldes und wir beobachten das Lichtspiel am Himmel.

Die Abendsonne färbt den Horizont gelblich

Wenn der letzte Lichtstrahl am Himmel verschwindet, beginnt das Naturschauspiel. Die abendliche Dämmerung, die die Umgebung nach dem Sonnenuntergang blau färbt, scheint schließlich alles um uns herum in denselben, tiefblauen Farbton einzutauchen. Der Himmel ist nicht mehr klar zu erkennen. Der Schnee und die von ihm umhüllten Bäume sind nicht mehr weiß, sondern schimmern bläulich. Wir sind inmitten der blauen Stunde.

Die blaue Stunde in Finnland

Sininen hetki, also die blaue Stunde, ist ein Lichtphänomen in der Winterzeit. Sie tritt unmittelbar nach dem Sonnenuntergang auf, gerade wenn die Dämmerung ihren Schleier auf die Welt wirft. Die letzten Lichtstrahlen der Abendsonne färben die Welt für unsere Augen blau, weil die kürzeren (blauen) Wellenlängen des Sonnenlichts sich stärker in der Erdatmosphäre streuen. Die weiße, schneebedeckte Welt verstärkt dieses Phänomen.

Diese besondere blaue Stunde ist nicht jeden Abend oder Morgen (vor dem Sonnenaufgang) zu sehen. Vor allem bei bewölktem Himmel bleibt sie oft aus. Wenn sie aber auftritt, dauert sie in den nordischen Regionen bis zu 40 Minuten.

Wie die Nordlichter, hat die blaue Stunde (auf englisch „The Blue Hour“) im Laufe der Jahrzehnte viele Dichter und Künstler inspiriert. Sie und wird oft mit einer romantischen Zeit assoziiert.

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Was ist Tykky-Schnee?

Schneelandschaft Finnland

Bäume stehen wie große weiße Kerzen im schneebedeckten Wald in Finnland. Dieses Jahr gibt es extrem viel Schnee in der Region Kainuu und die Landschaft hat sich in ein wahrhaftes Winterwunderland verwandelt.

Momentan kann man das Phänomen des „Tykkylumi“ fast überall in Finnland entdecken. In der deutschen Sprache gibt es keine Übersetzung für das finnische Wort „Tykky“, das diese spezielle Schneekonsistenz beschreibt. Dabei handelt es sich um eine voluminmöse und feste Schnee- und Eisbildung an Bäumen.

Bäume mit viel Schnee

Wie entsteht der Tykky-Schnee? Die hohe Luftfeuchtigkeit – auch Nebel und Nebelwolken – die bis zu den hohen Ästen der Bäume reicht, überzieht die Äste und Baumstämme mit einer zarten Glasur. An dieser Feuchtigkeit bleiben Schnee- und Eiskristalle haften. Im Laufe des Winters wird das Schneegebilde immer dicker, je mehr nasser Schnee und Eiskristalle dazu kommen.

Aber auch große Mengen an feuchtem Schnee an Bäumen und Ästen können zu den Schneeansammlungen führen. Ein mittelstarker Wind und Minusgrade helfen bei der Stärkung der Struktur. Im finnischen Lappland bedecken solche Schneestrukturen Bäume sogar komplett, so dass diese tatsächlich wie riesige Kerzen aussehen. Bäume können durch das Gewicht des Schneegebildes brechen. Im stillen Winterwald ist dann das Krachen der Bäume in der Ferne zu hören.

Finnische Winter Landschaft

Aber Tykkylumi ist nicht nur schön, sondern verursacht jährlich leider auch große Schäden in Finnland. Weitreichende Baumschäden und Stromausfälle sind normale Folgen des Tykky-Phänomens. Die Schneeansammlungen umhüllen auch gerne die hängenden Stormkabel mit immer dickeren und schweren Schichten. Schließlich brechen Bäume unter dem Last, fallen auf die eisigen Kabel und beschädigen diese.

Wenn die Temperaturen steigen, kann man das Fallen der großen Schneemengen im Wald hören. Zu der Zeit sollten Spaziergänger und Langläufer auf der Hut sein, damit sie keine Ladung Schnee auf den Kopf bekommen.

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Quellen:
http://ilmatieteenlaitos.fi/tykky-eli-tykkylumi
http://www.maaseuduntulevaisuus.fi/metsä/artikkeli-1.219624