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Rezept für selbstgemachte Eiscreme – Erdbeereis

Finnen essen unglaublich viel Eis und zwar um die 14 Liter pro Person (2018). Obwohl Finnland so weit im Norden liegt, sind wir seit vielen Jahren die größten Eiscreme-Esser Europas (ja, sogar noch vor den Italienern).

Selbstgemachte Eiscreme ist überraschend einfach und auch ohne eine Eiscreme-Maschine zuzubereiten. Man braucht nur Geduld! Welche Zutaten in das Eis sollen, ist reine Geschmacksache – Beeren, Früchte, Schokolade oder sogar Lakritze! Die Qualität der einzelnen Zutaten spielt eine wichtige Rolle für den Geschmack der Eiskreation. Das regelmäßige Umrühren wiederum sorgt für luftige Geschmeidigkeit. Das Rezept funktioniert auch gut mit laktosefreien Zutaten.

Zutaten für selbstgemachtes Erdbeereis:

200ml Vollmilch
200g Sahne
100g Zucker
1/2 TL Salz
300-500g frische Erdbeeren (oder andere frische Beeren)

Dauer der Zubereitung:

Ca. 4-6h

Zubereitung:

1. Milch, Sahne, Zucker, Salz und Eidotter in einem Topf geben, rühren und langsam auf niedriger Temperatur erwärmen. Wenn die Mischung einzudicken beginnt, muss sie ständig gerührt werden. Die Grundlage der Eiscreme ist fertig, wenn die Mischung sämig wie eine Suppe ist. Dies kann eine Weile dauern. Danach abkühlen lassen.

Statt Erdbeeren kann man auch Blaubeeren oder Himbeeren verwenden.

2. Erdbeeren (oder andere Beeren/Früchte) in Stückchen in die Mischung geben und alles zusammen cremig pürieren. An dieser Stelle können (muss man aber nicht) einzelne Früchtestückchen dazugegeben werden, die als einzelne Farbkleckser schön aussehen.

3. Das Eis in einen gefrierfesten Behälter geben und ca. eine Stunde lang im Gefrierfach lassen. Wenn sich die ersten Eiskristalle bilden, muss das Eis mit einer Gabel kräftig gerührt werden. Den Vorgang 4-5 Mal alle 30min wiederholen, damit die Eiscreme luftig locker wird. Wer eine Eiscreme-Maschine hat, kann diese Schritte überspringen.

4. Das Eis ist fertig, wenn die gewünschte cremige Konsistenz erreicht ist und kann sofort genossen werden. Ist die Eiscreme beim letzten Mal Rühren noch zu weich, am besten nochmal 2-3h lang einfrieren. Je nach Leistung der Gefriertruhe dauert die Herstellung unterschiedlich lang, in der Regel jedoch 4-6 Stunden. Spätestens am nächsten Tag ist das selbstgemachte Eis fertig und kann Freunden und Familie angeboten werden.

Frische Beeren schmecken in der Eiscreme am besten!

Wie lange hält das selbstgemachte Eis? Da die selbstgemachte Eiscreme Ei enthält, richtet sich die Haltbarkeit der Kreation nach dieser Zutat. Der Gefrierschrank verlangsamt zwar den Prozess des Verderbens. Auf der sicheren Seite ist man aber, wenn man das Eis innerhalb von 1-2 Wochen aufisst (was bei dieser leckeren Kreation kein Problem sein durfte).

Ein Rezept für selbstgemachtes Erdbeereis.
Ein paar frische Erdbeeren schauen neben der Eiscreme schön aus.
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Rezept – Finnische Spinatpfannkuchen

Als Kind in Finnland hat man sich nicht besonders gefreut, wenn man auf dem Menü der Schulmensa das Wort „pinaattiletut“, also Spinatpfannkuchen entdeckte. Bäh, dachte ich damals und seien wir ganz ehrlich: die Variante der Schule schmeckte auch nicht besonders gut. Aber sie gab uns Kindern Energie zum Lernen und die kleinen Bäuche wurden satt.

Doch selbstgemacht schmecken diese finnischen Köstlichkeiten richtig lecker! Unser Rezept ist auch garantiert besser als das aus meiner finnischen Schulzeit (dafür gabs dort viele andere Leckereien, wie Erbsensuppe, mhh). Am besten schmecken die Spinatpfannkuchen mit einem selbstgemachten Preiselbeerkompott (puolukkasurvos).

Zutaten Spinatpfannkuchen (ca. 25 Minipfannkuchen):

500ml Milch
2 Eier
160g Weizenmehl
1 TL Salz
1 TL Zucker
150g tiefgefrorenen Spinat oder frische Spinatblätter
25g geschmolzene Butter

Zum Braten: Butter

Dazu passen gut z.B. Preiselbeerkompott, Lachscreme, Hüttenkäse oder Crème fraîche.

Zubereitungszeit:

30 min

Die Spinatpfannkuchen können beliebig groß gebraten werden.

Zubereitung:

1. Milch, Eier, Mehl, Salz und Zucker in einer Rührschüssel gut mischen. Die geschmolzene Butter dazu geben. Den aufgetauten Spinat dazugeben und dann den Teig kurz ruhen lassen. Alternativ kann auch frischer Spinat verwendet werden, dieser sollte nach dem Waschen mit einem Messer oder Mixer (sehr fein) zerkleinert werden, auch hier den Teig anschließend kurz ruhen lassen.

2. Ganz kleine und dünne Pfannkuchen in Butter braten (oder wenn es schnell gehen soll, dann ganz große). Der Herd sollte nicht allzu heiß sein, weil die Butter sonst verbrennt und braun wird. Klassisch haben die finnischen Spinatpfannkuchen einen Durchschnitt von ca. 10cm (was auch Kindern gut gefällt).

3. In Finnland isst man die Pfannkuchen aus Spinat mit Preiselbeerkompott. Toll passen aber auch eine Lachscreme oder guter Hüttenkäse dazu.

Hyvää ruokahalua!

Die großen Pfannkuchen sind schneller fertig, aber die kleinen werden knuspriger.
Die traditionellen finnischen Spinatpfannkuchen sind klein, aber fein!
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Einblicke in die finnische Marktkultur – Suomalaista torielämää

In den letzten Jahrhunderten waren Märkte ein wichtiger Teil des Alltags in der finnischen (und sicher auch in fast jeder anderen) Gesellschaft. Man hat auf dem Markt, also tori, eingekauft, sich sehen lassen, Freunde und Bekannte getroffen und die neuesten (Klatsch-)Geschehnisse erfahren.

Um ein wenig in diese fast schon verschollene Welt von damals reinzuschnuppern, werfen wir einen Blick in die Vergangenheit:

Es war der Anfang des Sommers in den 60er Jahren in Finnland. Das kleine Mädchen mit blonden Zöpfen saß am Beifahrersitz des grünen Austin Mini und sah aus dem Fenster raus.

Sie durfte morgens mit ihrem Vater mitfahren, als dieser zur Arbeit nach Kajaani fuhr. Am Rande des dortigen Marktplatzes ließ er sie mit einem Pappkarton aus dem Auto aussteigen. Sie war 10 Jahre alt und hatte die feinsten Kartoffeln von Pohjavaara dabei. Auf den Kartoffeln war ein feuchter Jutesack, damit diese im Laufe des Tages in der Sonne nicht vertrockneten.

Das Mädchen verkaufte die Kartoffeln jeden Tag alleine. Oft kamen die lieben Frauen vom Markt ihr zur Hilfe: „Das Mädchen hat gute Kartoffeln, kommt und kauft“, rief die Bäuerin Lempi Tolonen von Ahola Hof. Und die Leute kamen und sie kauften.

Allerlei tolle Sachen kann man auf den finnischen Märkten im Sommer entdecken.

Ganz früh am Morgen zog ein herrlicher Duft von frisch gebackenen gerollten Krapfen (kääremunkki) aus der Bäckerei Pekka Heikkinen über den Marktplatz. Das kleine Mädchen gab jeden Morgen der Versuchung nach und bat die alten Frauen kurz ihre Kartoffelkiste zu bewachen, damit sie sich eines der leckeren Röllchen kaufen konnte. Die warme Marmelade lief über ihre kleinen Finger als sie in das Gebäckstück reinbiß.

Am Ende des Sommers hat sie sich von dem Geld ihre erste manuelle Kamera gekauft und schnell mehrere Filmrollen voll fotografiert. 40 Jahre später gründete das kleine Mädchen vom Markt die heutige Firma Kalevala Spirit.

Geschichten wie diese waren nicht unüblich in der damaligen Zeit. Die Marktkultur Finnlands war sehr ausgeprägt und lebhaft, und die Menschen dort wie eine kleine Gemeinde.

Lange Reihen von Kartoffel-, Beeren- und Blumenverkäufern standen damals auf den Märkten und die Menschen kamen jede Woche, um ihre Einkäufe zu erledigen. Fischermänner brachten ihren Fang vom Morgen zum Markt – vor allem Kleine Maränen, Hecht und Zander.

Auch meine Großmutter ging jahrlang jeden Samstag auf den Markt in Kajaani. Sie hatte die besten Spezialitäten der Region zum Verkauf mitgebracht. Diese stellte sie in der Nacht von Freitag auf Samstag her, sodass die Produkte noch am nächsten Tag schön warm waren. Bis zum Mittag waren alle Sachen verkauft.

Das Marktleben war früher für Menschen wie meine Großmutter vor allem noch ein soziales Geschehen. Nach dem Verkauf wurde bei Kaffee und Kuchen getratscht. Auf dem Heimweg brachte Oma noch Waren an ältere Menschen, die den Markt nicht mehr besuchen konnten. Das gehörte sich.

Die modernen finnischen Märkte sind für die ältere Generation immer noch ein soziales Geschehen.

Heute ist die Marktkultur Finnlands insgesamt ruhiger geworden. Besonders das Einkaufsverhalten in Supermärkten hat sie stark beeinflusst.

In Helsinki, Turku oder in der Markthalle in Oulu ist die Marktkultur noch deutlich lebhafter als in den weniger touristischen Städten Finnlands und besonders im Norden. Doch immer noch kann man überall in Finnland jeden Sommer Märkte mit regionalen Produkten entdecken.

Die modernen finnischen Märkte haben sich der heutigen Zeit angepasst. Heute findet man auf vielen Märkten neben den Klassikern – wie Gemüse, Beeren, Pilzen und Blumen – auch besondere Handarbeit und Leckereien zum Sofortessen. Besonders hervorheben möchte ich die köstlichen frittierten kleinen Maränen (paistettu muikku) und die dünnen Crepes (muurinpohjalettu).

Private Flohmärkte werden mit der Zeit zunehmend beliebter und sind immer häufiger auf den klassischen Märkten zu finden. Dies stellt einen deutlicher Kontrast zu den vergangenen Märkten des kleinen nordischen Landes dar. Allerdings setzen die Finnen damit auch ein Zeichen im Kampf gegen den Klimawandel.

Wer mehr über Märkte Finnlands wissen möchte, kann auf der Seite von The Culture Trip auf englisch über die besten 10 Märkte in Finnland lesen und einen vielleicht auch mal besuchen!

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Rezept – Bananenmilch (Banaanimaito)

Bananenmilch war ein Dauerbrenner in meiner Kindheit – auch wenn Bananen nicht besonders finnisch sind. Erst später im Leben wurde mir klar, wie toll das Rezept eigentlich ist. Extrem schnell, ohne zusätzlichen Zucker oder Sahne und oh, so lecker! Besonders, wenn zu viele reife Bananen in der Küche rumliegen, greife ich zu diesem bewährten Rezept. Jetzt gibt’s die „Banaanimaito“ auch bei Kalevala Spirit im Blog.

Bananenmilch schmeckt frisch gemacht am besten!

Zutaten:

500ml kalte Milch
2 Bananen

Dauer der Zubereitung:

Ca. 5min

Zubereitung:

Die geschälten Bananen und Milch in eine 1L große Messkanne geben. Mit einem Stabmixer 1-2 min die Bananen in der Milch pürieren. Alternativ kann man auch einen Standmixer verwenden. Wenn keine Bananenstückchen mehr vorhanden sind, noch ein wenig weitermixen, bis die Bananenmilch schön schaumig ist! (Tipp: Dies geschieht am leichtesten, wenn man den Stabmixer etwas näher an die Milchoberflächte bringt.)

Am besten sofort genießen! Nach einer Weile wird die Milch leicht bräunlich und sollte neu aufgeschäumt werden. Wer möchte, kann selbstverständlich 1-2TL Zucker und einen Schluck Sahne dazugeben. In meiner Kindheit schmeckte die Bananenmilch jedoch immer ohne Zucker und Sahne am besten! Besonders nach einem heißen Tag im Sommer.

Hyvää ruokahalua!

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Rezept – Finnische Zimtschnecken 2.0

Wir Finnen lieben unsere Korvapuusti und selbstverständlich sind sie die besten Zimtschnecken der Welt (finden wir)! Doch es ist schön, auch neue Rezepte auszuprobieren. Die Korvapuusti 2.0 haben wir in einer Auflaufform gebacken, also ist es eine Art Boston-Kuchen (Bostonkakku). Ein Vorbild für das Zimtgepäck sind neben dem Bostonkuchen auch die Cinnamon Buns der Amerikaner. Sie schmecken etwas würziger als die Originalen finnischen Korvapuusti und sind etwas klebrigerer.

Da Farinzucker manchmal schwierig zu bekommen ist, haben wir das Rezept so gestaltet, dass man die nordischen Zimtröllchen auch ohne Farinzucker machen kann. Auch das Frosting ist kein Muss. Wir empfehlen diese Korvapuusti-Variante ofenfrisch mit einem Glas eiskalter Milch zu genießen!

Die Korvapuusti schmecken auch ohne Frosting echt lecker!

Zutaten für den Teig:

250 ml Vollmilch (3,8% Fettgehalt)
1/2 Würfel Frischhefe (25g) oder eine Tüte Trockenhefe
2 Eier
75g geschmolzene Butter
560g Weizenmehl
100g Zucker
30g Vollrohrzucker
1 TL Kardamom
1 TL Salz

Zutaten für die Füllung:

120g weiche Butter
220g Vollrohrzucker
2,5 gehäufte EL Zimt
(2 gehäufte EL Farinzucker)

120g Sahne für oben drauf (mind. 32% Fett)

Zutaten für das Topping (optional):

2oog Frischkäse
70g weiche Butter
1 Tütchen Bourbon Vanillezucker
170g Puderzucker

1-2 TL Zitronensaft

Zubereitung:

1. Die Milch lauwarm aufwärmen und in einer Rührschüssel mit der Frischhefe vermischen. Die Eier, die geschmolzene und etwas abgekühlte Butter, beide Zuckerarten, Kardamom und Salz dazugeben. Gut rührend zunächst die Hälfte des Mehls hinzufügen und nach einer Weile den Rest. Anders als bei den traditionellen finnischen Korvapuusti sollte dieser Teig etwas klebrig bleiben. Der Teig muss jetzt ca. 30min an einer warmen Stelle ruhen.

2. Die Zutaten für die Füllung mischen bis eine feste Masse entsteht. Farinzucker ist hier kein Muss. Falls jedoch Farinzucker vorhanden ist, kann dieser einfach hinzugefügt werden.

Die Korvapuusti werden vor dem Backen mit Sahne übergossen.

3. Den Teig nach einer halben Stunde auf eine bemehlte Arbeitsfläche geben und kurz leicht kneten. Dann die Masse zu einem Rechteck (ca. 30x40cm) ausrollen. Mit einem breiten Messer oder einem Pfannenwender die Füllung gleichmäßig auf die Teigfläche verteilen. Kleine Lücken schaden nicht. Den Teig vorsichtig in eine relativ feste Rolle drehen und in 10 bis 12 Scheiben schneiden (je nach Größe der Ofenform).

4. Die Scheiben nebeneinander in eine gebutterte, mittelgroße Ofenform legen (nicht quetschen, denn sonst quellen die Zimtschnecken über) und die Korvapuusti nochmal 20min in Ruhe aufgehen lassen. Wahlweise kann man die einzelnen Röllchen auch in eine Muffinform geben und schließlich 3-4min kürzer backen.

5. Den Ofen auf 210°C (190°C Umluft) aufheizen. Die Schlagsahne kurz aufwärmen (aber nicht zu stark erhitzen) und auf die aufgegangenen Zimtschnecken und drumherum gießen. Die Korvapuusti 20-25min backen, bis diese goldbraun sind.

6. Die Zimtschnecken aus dem Ofen nehmen und 10-15min oder über Nacht unter einem Küchentuch in der Ofenform ruhen lassen. Mit einem Messer in Stückchen schneiden und mit Milch und Kaffee genießen! Wer möchte, kann zu den Korvapuusti ein cremiges Topping oder auch Vanilleeis servieren.

Für das Topping müssen die Zimtschnecken kühl sein. Einfach die Zutaten mit einem Mixer cremig schlagen.

Die leckeren Korvapuusti enthalten Zimt, Farin- und Rohrzucker.

Die Zimtschnecken bleiben am frischesten in einer luftdichten Dose. Sie können auch für ein paar Wochen eingefroren werden.

Hyvää ruokahalua!

Zimtschnecken sind ein Traditionsgebäck Finnlands!
Die herausfließende Zuckerfüllung karamellisiert im Ofen.
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Das Rentier, also poro (Teil 2)

Im ersten Teil der Artikelserie berichteten wir über den Lebensraum und das Aussehen der Rentiere in Finnland. Im zweiten Teil geht es insbesondere um ihr einzigartiges Geweih, Sozialverhalten und Rentierkälber.

Das Rentiergeweih ist eines der am schnellsten wachsenden Knochen auf der Welt. In der schnellsten Phase wachsen sie sogar 2cm am Tag. Auch wenn die Tiere jedes Jahr ein neues Geweih bekommen, beeinflusst die Größe und der Zustand des Geweihs den Status des einzelnen Tieres in der Rentierherde. Verliert ein Rentier sein Geweih oder wird dieses beschädigt, verschlechtert sich auch der Rang des Tieres innerhalb der Herdenhierarchie.

Auch die weiblichen Rentiere haben ein Geweih, was bei anderen Hirscharten der Welt nicht vorkommt. Beide Geschlechter werfen ihr Geweih einmal im Jahr ab und manchmal kann man diese im Wald beim Wandern entdecken. Männliche Tiere werfen ihr Geweih im Herbst ab und Weibchen erst im Frühjahr. In Finnland nennt man Rentiere ohne Geweih „nulppo“.

In der Paarungszeit im Herbst sammeln Männchen kleine Herden von 10 bis 20 Weibchen (parttio), die sie mit viel Mühe zusammenhalten und verteidigen müssen. Oft verlieren männliche Tiere wegen der Anstrengungen in dieser Zeit viel Gewicht. Nachdem die weiblichen Tiere gedeckt wurden, gehen die Tiere wieder ihrer Wege und die Männchen fangen an ihr Gewicht wieder aufzubauen.

Nach der eisigen Kältezeit im Winter werden im Frühjahr die kleinen niedlichen Rentierbabys geboren. Es kommt allerdings vor, dass Rentierkälber erst im November/Dezember auf die Welt kommen. Bei der Geburt wiegen die Kälber 4-6 kg, wachsen jedoch sehr schnell und wiegen bereits nach ein paar Monaten um die 50kg. Auch die Kälber bekommen schnell ihr erstes Geweih. Im Herbst kann man daher oft kleine Rentierjunge mit ca. 20cm langen Geweihen rumlaufen sehen.

Rentiere findet man auch auf speziellen Rentiersafaris in Finnland!

Weibliche Rentiere können bis zu 18-20 Jahre alt werden, während Männchen nur gute zehn Jahre in der freien Wildbahn überleben.

Zwar sind die Rentiere auf den Weihnachtsmärkten nicht zu sehen, aber Kalevala Spirit bietet immer hochwertige finnische Rentierfelle an. Diese können in den finnischen Weihnachtsdörfern in Hannover, Leipzig, Stuttgart und Straßburg sowie im Onlineshop erworben werden und stammen aus traditionellen finnischen Rentierhaltungen.

Rentierfelle fühlen sich sehr weich an.

Da die Haare im Fell hohl sind, brechen sie leicht. Daher muss bei der Pflege größtmögliche Sorge angewendet werden. Die Felle der Tiere sind jedoch sehr feuchtigkeitsresistent und sehr warm.

Rentierfelle
Rentierfelle im finnischen Weihnachtsdorf von Kalevala Spirit

Wusstet Ihr, dass man auch in Deutschland Rentiere sehen und die Kultur des indigenen Sami-Volkes hautnah erleben kann? Mehr dazu im Finntastic-Blog.

Quellen:
www.tunturisusi.com/hirvet/poro.
www.paliskunnat.fi/poro/
www.samisoster.fi/muitogiisa/perinteiset-elinkeinot

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Das Rentier, also poro (Teil 1)

In einem unserer jüngeren Blogartikel haben wir darüber berichtet, welche Tiere man in Finnland entdecken kann und welche nicht. Das Rentier ist eines der bekanntesten Lebewesen aus dem Norden und lebt in Finnland in den Provinzen von Lappi und Oulu (36% der Fläche Finnlands). Hier ein kleiner Überblick für Interessierte:

Das Rentier (poro) wurde vom nordischen Reh (tunturipeura) domestiziert und ist halbwild. Rentierhaltung ist in Finnland ein traditionelles Gewerbe, das jeder Finne ausüben darf und nicht nur das indigene Volk der Samen, für das die Rentierhaltung früher ein wichtiger Bestandteil ihrer nomadischen Lebensweise war.

Die ältesten Einträge über Rentiere stammen aus dem Jahr 499 nach Christus. Da die halbwilden Tiere Privatvermögen sind, gab es in Finnland schon immer illegale Rentier Wilderer (porovaras). Diese und Wölfe gelten als die größten Gefahren für die Rentierhaltung.

Rentiere haben sich über die Jahrhunderte gut an die nordischen Verhältnissen angepasst. Die Tiere in Finnland halten Temparaturen von ca. +30°C bis zu -50°C aus und können dank ihrer Hufe auf festem Schnee laufen. Die Haare des Tieres sind hohl, weshalb ihr Fell bei Kälte extrem gut isoliert.

Schönes Rentierfell aus Finnland

Rentiere wechseln ihr Fell jährlich. Im Sommer ist es überwiegend bräunlich und im Winter wird es teilweise weiß als Tarnung. Die Widerristhöhe männlicher Rentiere liegt bei ca. 110cm und bei Weibchen bei ca. 90cm.

Männliche Rentiere wiegen zwischen 90kg und 180kg, wobei Weibchen nur zwischen 60kg und 100kg wiegen. Die größten Rentiere Finnlands kann man in Kainuu sehen.

In finnischen Lappland kann man halbwilde Rentiere entdecken!

Das Jahr über wandern die Rentierherden frei umher und werden zu festgelegten Zeiten von Menschen zusammengetrieben, um die Tiere zu markieren oder auch zu schlachten. Im Sommer sieht man Rentiere oft in Sumpfgebieten, wo sie Blätter, Gras und Heu fressen. Im Winter fühlen sie sich in Tannenwäldern am wohlsten und ernähren sich hauptsächlich von Flechten, die sie mit ihren guten Geruchssinnen durch – bis zu sogar einem Meter dicken – Schneeschichten riechen können.

Im finnischen Lappland kann man Rentiersafaris besuchen. Im Sommer findet man die Tiere aber auch oft auf den Straßen, wo sie eine echte Gefahr für den Verkehr sind. Im zweiten Teil erzählen wir mehr über die nordischen Tiere!

Möchtet Ihr mehr über das Leben der Rentiere in Lappland erfahren? Im Finntastic-Blog könnt ihr über die berührende Geschichte des kleinen Rentiers Ailo und seine Herde – eine der letzten vier freilebenden Rentierherden im norwegischen Teil Lapplands – lesen.

Quellen:
www.tunturisusi.com/hirvet/poro.
www.paliskunnat.fi/poro/
www.samisoster.fi/muitogiisa/perinteiset-elinkeinot


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Die blaue Stunde in Finnland (sininen hetki)

Den ganzen Tag hatte die Sonne von einem wolkenlosen Himmel auf uns herabgeschaut und unsere Wangen gekitzelt während die schneebedeckte, weiße Welt im Licht glitzerte.

In der Nacht hatte es geschneit und unsere Skier glitten leicht durch den frischen Puderschnee. Zum Aufwärmen gab es köstliche Pulla und heißen Kaffee aus der Thermoskanne.

Es sind zwei paar Skier nebeneinander im Schnee zu sehen. Die Marken sind unter einer Schneeschicht bedeckt.

Doch auch dieser perfekte Wintertag muss irgendwann enden und wir fühlen uns nach der sportlichen Anstrengung müde, aber sehr zufrieden. Langsam sinkt die Sonne am Horizont. Der zuvor tiefblaue Himmel färbt sich orange, dann rosa und schließlich rot, als die Sonne hinter dem Waldrand untergeht. Eine dicke Schneeschicht bedeckt die Bäume des Winterwaldes und wir beobachten das Lichtspiel am Himmel.

Die Abendsonne färbt den Horizont gelblich

Wenn der letzte Lichtstrahl am Himmel verschwindet, beginnt das Naturschauspiel. Die abendliche Dämmerung, die die Umgebung nach dem Sonnenuntergang blau färbt, scheint schließlich alles um uns herum in denselben, tiefblauen Farbton einzutauchen. Der Himmel ist nicht mehr klar zu erkennen. Der Schnee und die von ihm umhüllten Bäume sind nicht mehr weiß, sondern schimmern bläulich. Wir sind inmitten der blauen Stunde.

Die blaue Stunde in Finnland

Sininen hetki, also die blaue Stunde, ist ein Lichtphänomen in der Winterzeit. Sie tritt unmittelbar nach dem Sonnenuntergang auf, gerade wenn die Dämmerung ihren Schleier auf die Welt wirft. Die letzten Lichtstrahlen der Abendsonne färben die Welt für unsere Augen blau, weil die kürzeren (blauen) Wellenlängen des Sonnenlichts sich stärker in der Erdatmosphäre streuen. Die weiße, schneebedeckte Welt verstärkt dieses Phänomen.

Diese besondere blaue Stunde ist nicht jeden Abend oder Morgen (vor dem Sonnenaufgang) zu sehen. Vor allem bei bewölktem Himmel bleibt sie oft aus. Wenn sie aber auftritt, dauert sie in den nordischen Regionen bis zu 40 Minuten.

Wie die Nordlichter, hat die blaue Stunde (auf englisch „The Blue Hour“) im Laufe der Jahrzehnte viele Dichter und Künstler inspiriert. Sie und wird oft mit einer romantischen Zeit assoziiert.

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Mythos und Realität – Welche Tiere man in Finnland sehen kann

Jeder Finne, der ein wenig durch die Welt gereist ist, hat ganz sicher die gleichen Fragen gestellt bekommen: Lebt ihr in Iglus? Gibt es in Finnland auch Eisbären? Fährst Du mit dem Hundeschlitten zur Schule?

Für uns Finnen mag das lustig sein, aber wer noch nie in Nordeuropa war, hat vielleicht ein oder zwei falsche Vorstellungen über die Länder im Kopf. Um dies etwas aufzuklären, stellen wir einen kleinen Beitrag vor: Welche Tiere kann man in Finnland finden und welche nicht?

Eisbär (jääkarhu)

Leider nein. So schön es auch wäre, den weißen Bären gibt es in Finnland nicht. Tatsächlich besitzt das kleine Land im Norden keine Nordküste im Gegensatz zu unserem Nachbarn Norwegen. Der Eisbär begibt sich aber auch eigentlich nie zur norwegischen Nordküste. Vielmehr lebt er in Spitzbergen, einer Inselgruppe in der nördlichen Hemisphäre und in anderen (extrem) nördlichen Regionen der Welt.
Aber der Braunbär lebt in den finnischen Wäldern und kann dort in der Sommerzeit beobachtet werden. Den Winter verbringt er im Winterschlaf. In Kainuu kann man zum Beispiel in Kuhmo und in Martinselkonen den Braunbär an besonders eingerichteten Beobachtungsstellen sehen.

Rentier (poro)

Nicht nur der Weihnachtsmann, sondern auch seine Helfer sind tatsächlich in Finnland zuhause. Rentiere sind halbwild und können in der Sommerzeit überall in Lappland beobachtet werden. Im Winter treiben die Rentierhalter die schönen Tiere zusammen und bringen sie in abgelegenere Gebiete.

Robbe (norppa)

Diese süßen Tiere kann man in der Tat in Finnland entdecken. In der Region Saimaa (und nur hier) lebt der süße und geschützte Saimaan Norppa. Auch an der Ostseeküste Finnlands und in Bottenwiek kann man Robben sehen.

Pinguin (pingviini)

Leider gibt es diese lustigen Wasservögel nicht in Finnland.

Abgesehen vom einzigen Zoo Finnlands, bleiben unsere Küsten komplett pinguinfrei – schade! Aber dafür haben wir viele andere Wasservögel, z.B. auch den Singschwan, der finnische Nationalvogel.

Pinguine leben nur in der südlichen Hemisphäre.

 

Iglu

Zwar kein Tier, aber auch dieser Mythos muss einmal aufgeklärt werden. Die Finnen wohnen nicht (und wohnten auch nie) in Iglus. Die Schneehäuser waren früher die Unterkünfte der Inuit in Grönland. Dafür haben wir in Finnland aber mehrere Schneehotels, in denen man übernachten kann – wie spannend!

Eishotel Eishaus Schneehotel

Luchs (ilves)

Diese schöne Wildkatze lebt wirklich in Finnland. Sie kommt gelegentlich auch in die Nähe von Wohnsiedlungen und kann für Hauskatzen und Hunde gefährlich werden.

Huskies

Ja! Diese energiegeladenen Hunde gibt es in Finnland, aber natürlich nicht in der freien Wildbahn. In der Winterzeit empfiehlt sich besonders eine Huskysafari im Norden Finnlands. Zu unserem Bedauern mussten wir Finnen in unserer Jugend jedoch mit anderen Fortbewegungsmitteln zur Schule fahren (Fahrrad zum Beispiel). Ein Zwinger im Schulhof für hunderte Hunde wäre wohl zu aufwändig gewesen.

Natürlich gibt es auch viele andere Tiere in Finnland, z.B. der Hirsch, Vielfraß, Wolf, Fuchs, Hase und Reh.

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Quellen:

-http://www.tunturisusi.com/hirvet/poro.htm

-https://www.luke.fi/tietoa-luonnonvaroista/riista/hylkeet/

-https://blickgewinkelt.de/wo-leben-welche-pinguine-karte-lebensraum/

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Finnland ist das Nummer 1 Reiseziel für 2019

Bist Du ein großer Nordeuropafan und träumst schon länger von einer Reise nach Finnland? Dann ist 2019 das richtige Jahr, um diesen Traum zu erfüllen. Jetzt hat die große Nachrichtenseite Business Insider es offiziell gemacht (was wir schon länger wussten): Finnland ist das Top 1 Reiseziel schlechthin in 2019! Und wir erzählen in diesem Beitrag (ergänzend zum Video vom Business Insider), wieso das so ist!

Schnee

In Finnland gibt es nicht nur viel davon, sondern der Schnee bildet auch besondere Schnee-Eis-Strukturen auf Bäumen und Häuser (tykkylumi), die die Landschaft in ein atemberaubendes Winterwunderland verwandeln. Am besten bewundert man die Schneelandschaften in Lappland, PohjoisPohjanmaa oder Kainuu, ab Februar/März, weil es dann nicht mehr so kalt ist und die Tage länger sind.

Skifahren auf dem Rukatunturi in Kuusamo.

Sauna

Wer nach Finnland reist, muss in die Sauna. In Finnland gibt es mehr Saunen als Autos. Im Sommer und im Winter ist Saunieren ein besonderes Erlebnis. Am besten sucht man sich eine Sauna mit einem Steinofen, der mit Holz gewärmt wird. Es gibt auch Elektroöfen, aber diese finden wir persönlich nicht die beste Wahl. Das Highlight schlechthin ist eine Rauchsauna (savusauna), die 8-10 Stunden aufgewärmt werden muss, bevor sie genutzt werden darf.

Nach dem Saunieren werden finnische Würstchen gegrillt!

Hunderttausende Seen

Viele saubere Seen gibt es in Finnland und an jedem See stehen meistens dutzende Ferienhäuser. An vielen Orten kann man auch Fliegenfischen. In Saimaa gibt es aber auch die süßen Robben (Saimaan Norppa), die man mit ein wenig Glück sehen kann.

Tiere

In Lappland gibt es halbwilde Rentiere, für die Finnland berühmt ist.  Überall in Finnland kann man Hirsche, Rehe, Hasen, Füchse oder Singschwäne sehen. Aber auch der Braunbär, das Vielfraß, der Luchs und der Wolf ist bei uns Zuhause. Toll ist es im Morgengrauen eine Wanderung durch ein Sumpfgebiet zu machen oder Beeren zu pflücken. Aber bitte Moskitoschutz mitpacken.

Singschwäne fliegen in Finnland

Traumhafte Landschaften und Natur

Wie im Video festgestellt wird, besteht Finnland aus über 70% Wald. Gleichzeitig ist es das am lichtesten besiedelte Land Europas. Ein ruhiger entspannter Urlaub ist daher einfach zu organisieren.

Auch die Polarlichter muss man erlebt haben. Wenn man ganz genau hinhört, kann man das Rauschen der Aurora Borealis sogar hören. Die beste Zeit ist im Herbst oder im Frühjahr. Es gibt sogar eine Seite, wo man eine Vorhersage für das Auftreten der Nordlichter lesen kann.

Essen, Essen, Essen

Finnland bietet viel besonderes regionales Essen an. Überall kann man Restaurants finden, die nordische Delikatessen wie Flammlachs, Graved Lachs, Rentier- oder Hirschfleisch anbieten. Aber auch im normalen Supermarkt kann man tolle Sachen entdecken. Wir empfehlen: juustoleipä („Käsebrot“), Moltebeeren oder Moltebeermarmelade mit Vanilleeis, Roggenbrot, verschiedene pulla, Karelische Piroggen,  kalakukko (Fisch im Roggenmantel) und natürlich die ganz besonderen finnischen Süßigkeiten (irtokarkki).

Kalakukko aus Kleinen Maränen in einem Roggenmantel!

Auch leckere alkoholische Getränke kann man in jeder Bar, jedem Club und Supermarkt finden. Besonders leckere nordische Cider und Longdrinks (lonkero) gibt es in Finnland. Nur für härtere alkoholische Getränke muss man in den Spezialladen Alko.

Party

Aber auch feiern und neue Bekanntschaften machen geht einfach in Finnland. Ob in Levi, Kuusamo, Oulu, Turku oder in Helsinki, überall gibt es viele Partymöglichkeiten, um die Nacht zum Tag zu machen.

Unsere Empfehlung:

Finnland ist voll mit tollen Ferienhütten. Man muss garnicht ins Hotel, im Gegenteil, wir finden, dass eine private Hütte für 2, 4 oder sogar 20 Personen die beste Wahl ist. Die meisten werden eine Küche und Sauna haben und naturnah liegen. Die Auswahl geht von Ferienhäusern mit einfacher Ausstattung bis zu richtigen Luxusvillen. Am besten direkt am See mit einer Strandsauna oder in der Nähe einer Skipiste. Wegen der guten Schneequalität macht Skifahren oder Langlauf viel Spaß, außerdem ist Finnland wirklich Schneesicher.

Ein Ferienhaus am See mit einem Warmwasserbecken (Palju) und Sauna.

Wir sind stolz auf unser kleines Land und hoffen, dass wir in Euch ein wenig die Reisebegeisterung wecken konnten.

Hier findet Ihr das Video vom Business Insider: https://www.businessinsider.nl/finland-number-one-country-to-travel-to-in-2019-2019-1/